1 % Gebühren klingt harmlos. Dein Depot sieht das anders.

Ein Prozentpunkt mehr pro Jahr: In unserer Modellrechnung fehlen nach 30 Jahren rund 13.455 Euro. Gestartet wird mit 10.000 Euro. Gleiche angenommene Bruttorendite, gleiche Laufzeit, unterschiedliche Kosten. Der Unterschied trägt keinen Anzug und klingelt nicht an der Tür. Er steht einfach irgendwann im Depot.

Dass laufende Kosten auch langfristige Erträge schmälern, erläutert die US-Wertpapieraufsicht SEC: Gebühren verringern das Kapital, das weitere Erträge erwirtschaften kann. Die folgende Rechnung ist unser eigenes Beispiel, keine historische Fondsentwicklung. [1]

ETF-Kosten: Aus „nur einem Prozent“ wird ein echter Abstand

Wir stellen zwei fiktive Anlagen nebeneinander. Beide starten mit 10.000 Euro und erzielen in diesem Gedankenexperiment jedes Jahr genau 6 Prozent vor Kosten. Anlage A hat angenommene jährliche Kosten von 0,2 Prozent, Anlage B von 1,2 Prozent. Der Abstand beträgt einen Prozentpunkt.

Für das Modell ziehen wir die Kostenquote vereinfachend von der jährlichen Bruttorendite ab: A wächst mit 5,8 Prozent, B mit 4,8 Prozent. Das ist eine Rechenkonvention, keine Beschreibung der konkreten Gebührenabrechnung eines Fonds. Es gibt keine weiteren Einzahlungen, Entnahmen, Steuern oder zusätzlichen Kosten. Inflation und Kursschwankungen bleiben ebenfalls außen vor. Die 6 Prozent sind frei gewählt und keine Renditeprognose.

Eigene Modellrechnung: 10.000 Euro Startkapital, Ergebnisse auf volle Euro gerundet
LaufzeitA: 5,8 % pro JahrB: 4,8 % pro JahrAbstand
10 Jahre17.573 €15.981 €1.592 €
20 Jahre30.883 €25.540 €5.342 €
30 Jahre54.271 €40.817 €13.455 €

Die Formel lautet Endwert = 10.000 × (1 + Modellrendite)Jahre. Nach 30 Jahren ergeben sich auf Cent gerundet 54.271,28 Euro beziehungsweise 40.816,76 Euro. Die Differenz vor Rundung beträgt rund 13.454,52 Euro. Tabellenwerte und Differenzen sind jeweils separat gerundet.

Warum sind das nicht einfach 100 Euro mal 30?

Im ersten Modelljahr liegen die Endwerte tatsächlich nur 100 Euro auseinander: 10.580 gegen 10.480 Euro. Danach wachsen jedoch unterschiedlich große Beträge mit unterschiedlich hohen Raten weiter. Der Abstand bekommt gewissermaßen einen eigenen Zinseszinseffekt. Leider einen, für den du keine Glückwunschkarte erhältst.

Die 13.455 Euro sind deshalb keine aufsummierte Gebührenrechnung. Sie beschreiben den Unterschied der Endvermögen einschließlich der im Modell entgangenen Folgeerträge. Wer die gesamte Lücke „bezahlte Gebühren“ nennt, verwechselt Rechnung und Wirkung. Die beiden Zahlen beantworten verschiedene Fragen.

Die Kostenquote ist nicht die ganze Einkaufsliste

Die SEC unterscheidet zwischen Transaktionskosten und laufenden Kosten. Bei Fonds werden laufende Betriebskosten aus dem Fondsvermögen bezahlt; zusätzliche Kosten können beispielsweise beim Broker entstehen. Eine geringe ausgewiesene Fondsquote bedeutet daher nicht automatisch, dass die gesamte Geldanlage kostenlos ist. Die SEC-Quellen erläutern US-Produkte; die konkreten Kosten deines Angebots stehen in dessen eigenen Unterlagen. [1] [2]

Für einen strukturierten Vergleich kannst du die Fragen aus der SEC-Verbraucherinformation in eine kleine Liste übersetzen: [3]

  • Was kostet der Kauf, was kostet der Verkauf?
  • Welche Gebühren fallen während der Haltedauer an?
  • Welche Kosten entstehen zusätzlich beim Depot oder bei der Beratung?
  • Wie unterscheiden sich die Kosten vergleichbarer Angebote?

Billiger ist kein Ersatz für vergleichbar

Unser Rechenexperiment hält die Bruttorendite ausdrücklich gleich. Daraus folgt: Es isoliert den Kosteneffekt, entscheidet aber keinen Wettbewerb zwischen unterschiedlichen Anlagestrategien. Ein günstiges Produkt und ein teureres Produkt mit ganz anderen Anlagen sind nicht plötzlich Zwillinge, nur weil beide eine Prozentzahl auf dem Datenblatt haben.

Auch ein Wechsel ist eine separate Entscheidung. Die SEC erinnert daran, mögliche Gebühren und steuerliche Folgen eines Wechsels mitzudenken. [1] Unser Modell enthält solche Wechselkosten nicht. Es liefert deshalb keinen Auftrag, morgen das gesamte Depot umzubauen.

Die nützliche Frage lautet: Welche nachvollziehbare Leistung bekomme ich für die Mehrkosten? Wer diese Frage beantwortet, hat mehr verstanden als jemand, der lediglich der kleinsten Dezimalzahl hinterherrennt. Dezimalstellen sind schließlich keine Anlageberater.

Für eigene Szenarien findest du hier unseren Zinseszinsrechner. Vergleiche bei gleicher Laufzeit unterschiedliche angenommene Renditen und achte darauf, welche übrigen Annahmen du verwendest.

Dieser Beitrag dient der Finanzbildung und ist keine persönliche Anlageberatung.

Weiterlesen auf Rentenmich: Mehr ETF-Wissen.

Quellen und Rechenweg

Alle verlinkten Quellen wurden am 03.10.2026 geprüft; die Tabellen sind eigene Modellrechnungen mit den oben genannten Annahmen.

  1. SEC / Investor.gov: How Fees and Expenses Affect Your Investment Portfolio – Investor Bulletin, 23.07.2025.
  2. SEC / Investor.gov: Mutual Fund and ETF Fees and Expenses – Investor Bulletin, 23.07.2025.
  3. SEC / Investor.gov: Understanding Fees, ohne ausgewiesenes Veröffentlichungsdatum.

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