Ein Index fährt eine Runde und steht wieder bei 100. Dein 3x-ETF steht danach nur noch bei 94,55. Rechenfehler? Im folgenden Modell nicht. Wer bei „dreifach“ automatisch an dreifache Monats- oder Jahresrendite denkt, übersieht das entscheidende Wort: täglich. Genau vor dieser Verwechslung warnt das Anlegerbulletin der US-Börsenaufsicht SEC. [1]
Das klingt zunächst wie ein Fitnessvertrag, bei dem im Kleingedruckten plötzlich „jeden Tag“ steht. Schauen wir deshalb auf zwei kurze Rechnungen, bevor wir über Traumrenditen sprechen.
Was bedeutet 3x bei einem gehebelten ETF?
Bei einem täglich gehebelten ETF bezieht sich der angestrebte Faktor auf die Tagesrendite seines Referenzwerts. Das SEC-Bulletin erläutert beispielsweise Fonds mit einem täglichen Ziel von zweimal oder dreimal der Indexrendite. Über mehrere Tage kann das Ergebnis deutlich vom entsprechenden Vielfachen der gesamten Indexrendite abweichen. [1]
FINRA beschreibt den täglichen Reset und die anschließende Verkettung der Tagesrenditen als Ursache dafür, dass das Ergebnis über mehrere Tage vom einfachen Vielfachen abweichen kann. Der Zeitraum ist also Teil der Produkteigenschaft, kein nebensächliches Detail. [2]
Modellfall: Der Index kommt zurück, dein Geld nicht ganz
Eigener Modellfall: Beide Reihen starten bei 100. Wir unterstellen einen idealen Fonds, der jeden Tag exakt die dreifache Indexrendite erzielt. Gebühren, Finanzierungskosten, Steuern, Ausschüttungen und Abweichungen lassen wir weg. Die Zahlen beschreiben keinen historischen Fondskurs.
| Zeitpunkt | Index | Idealer 3x-Fonds |
|---|---|---|
| Start | 100,00 | 100,00 |
| Tag 1: Index +10 % | 110,00 | 130,00 |
| Tag 2: Index −9,0909… % | 100,00 | 94,55 |
| Gesamtergebnis | 0,00 % | −5,45 % |
Warum verliert der Fonds? Am zweiten Tag sinkt der Index um exakt ein Elftel. Der Fonds verliert im Modell drei Elftel seines inzwischen größeren Werts: 130 × (1 − 3/11) = 94,54545… . Beide täglichen Hebelziele wurden perfekt erfüllt. Trotzdem fehlen gegenüber dem Start rund 5,45 Prozent.
Der entscheidende Punkt ist die wechselnde Rechenbasis. Am ersten Tag wird aus 100 ein Wert von 130. Der Verlust am zweiten Tag wird auf diese 130 angewandt. Prozentzahlen werden bei aufeinanderfolgenden Renditen multipliziert, nicht einfach miteinander verrechnet. Im Modell ist dafür weder eine versteckte Gebühr noch ein böser Fondsmanager nötig.
Die wichtige Gegenprobe: Hebel bedeutet nicht automatisch Verfall
Zweiter eigener Modellfall: Der Index steigt an zwei Tagen jeweils um 1 Prozent. Dieselben idealisierten Bedingungen gelten weiterhin.
| Rechnung | Endwert | Gesamtrendite |
|---|---|---|
| Index: 100 × 1,01 × 1,01 | 102,01 | +2,01 % |
| 3x-Fonds: 100 × 1,03 × 1,03 | 106,09 | +6,09 % |
Dreimal 2,01 Prozent wären 6,03 Prozent. Unser Fonds erzielt jedoch 6,09 Prozent, also etwas mehr. Die Verkettung kann in diesem gleichmäßigen Aufwärtspfad helfen. „Ein Hebel-ETF verliert wegen des Resets immer“ wäre deshalb ebenfalls falsch. Die beiden Modelle zeigen unterschiedliche Ergebnisse unter derselben täglichen Regel.
Damit ist auch klar, weshalb allein der Endstand des Index nicht reicht: Zwei Tage ohne Bewegung ergeben im Modell weiterhin 100. Die obige Berg-und-Tal-Fahrt endet beim selben Indexstand, aber mit einem niedrigeren Fondswert. Genau dieser Unterschied ist mit Pfadabhängigkeit gemeint.
Drei Fragen vor dem Blick auf den Kaufen-Knopf
FINRA betont, dass solche Produkte besondere Anforderungen an Verständnis, Haltedauer und Überwachung stellen. Die Organisation erklärt sie nicht pauschal für jeden Privatanleger als ungeeignet; sie warnt insbesondere vor dem unkritischen Einsatz als mittel- oder langfristige Anlage. [2]
- Welchen Zeitraum verspricht das Produkt? Lies das Anlageziel einschließlich des Wortes „täglich“.
- Was steckt außerhalb meiner Rechnung? Prüfe Kosten, Risiken und die Möglichkeit, dass das Tagesziel verfehlt wird.
- Verstehe ich auch den schlechten Verlauf? Rechne mindestens einen schwankenden und einen fallenden Pfad durch, nicht nur deine Wunschkurve.
Die ersten beiden Prüfpunkte entsprechen den Fragen, die das SEC-Bulletin vor einer Investition empfiehlt. Der dritte ist unsere praktische Rechenübung: ein Taschenrechner als nüchterner Gegenpart zur Rakete im Börsenforum. [1]
Merksatz: Bei einem täglich gehebelten ETF kaufst du eine Regel für Tagesrenditen. Die Jahresrendite steht nicht mit Faktor drei fertig auf dem Karton. [1]
Weiterlesen auf Rentenmich: Mehr ETF-Wissen.
Quellen und Rechenhinweis
- SEC / Investor.gov: Updated Investor Bulletin: Leveraged and Inverse ETFs, 29.08.2023.
- FINRA: Non-Traditional ETFs FAQ, ohne ausgewiesenes Aktualisierungsdatum.
Alle Quellen abgerufen am 03.10.2026. Tabellen: eigene, bewusst vereinfachte Modellrechnungen; Rundung auf zwei Nachkommastellen. Dieser Beitrag dient der Finanzbildung und ist keine persönliche Anlageberatung oder Kaufempfehlung.