Was ist ein Covered Call ETF?

In diesem Artikel erkläre ich, wie Covered Call ETFs funktionieren, welche Generationen es gibt – und welche davon du als Anleger in Deutschland tatsächlich kaufen kannst.


Was ist ein Covered Call –und welche kann ich als Anleger in Deutschland kaufen?

Ein Covered Call ist eine Optionsstrategie: Du hältst Aktien und verkaufst gleichzeitig Kaufoptionen (Call-Optionen) auf diese Aktien. Für den Verkauf dieser Optionen erhältst du eine Prämie – und genau diese Prämie wird als Dividende an die ETF-Anleger ausgeschüttet.

Vereinfacht gesagt: Du besitzt Aktien und verkaufst das Recht, diese Aktien zu einem bestimmten Preis zu kaufen. Dafür bekommst du sofort Geld – egal ob der Markt steigt oder fällt.

Das klingt nach einer Win-Win-Situation. Aber es gibt einen Haken: Wenn die Aktien stark steigen, gehört ein Teil dieser Kursgewinne dem Käufer der Option – nicht dir.

1. Generation 2. Generation 3. Generation

* Historische Durchschnittswerte. Keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.


Wichtig: Welche Covered Call ETFs kann ich in Deutschland kaufen?

Viele der bekanntesten Covered Call ETFs – wie QYLD, XYLD, JEPI oder QQQI – stammen aus den USA und sind als US-ETFs strukturiert. Diese können europäische Privatanleger in der Regel nicht kaufen, weil sie nicht der europäischen UCITS-Regulierung entsprechen.

Für deutsche Anleger kommen ausschließlich UCITS-konforme ETFs in Frage, die an europäischen Börsen wie der Deutschen Börse Xetra gehandelt werden. Und davon gibt es im Bereich Covered Call ETFs aktuell nur eine überschaubare Auswahl.


Die Geschichte der Covered Call ETFs

1. Generation – der einfache Ansatz (ab 2002)

Die erste Generation der Covered Call ETFs war simpel: Der ETF hält den Index und verkauft monatlich At-the-Money (ATM) Call-Optionen auf den gesamten Bestand. Das bedeutet – bei jedem Kursanstieg über den Ausübungspreis hinaus profitiert der ETF nicht mehr.

Das Problem: In einem langfristig steigenden Markt verliert der ETF real an Wert, weil die Kursgewinne systematisch abgegeben werden. Die hohe Dividende täuscht über den schleichenden Wertverlust hinweg.

In Deutschland kaufbar (Xetra, UCITS):

TickerNameBasisindexDividende p.a.TERISIN
QYLEGlobal X Nasdaq 100 Covered Call UCITS ETFNasdaq 100~12%0,45%IE00BM8R0J59
XY7DGlobal X S&P 500 Covered Call UCITS ETFS&P 500~11%0,45%IE0002L5QB31
DYLDGlobal X DAX Covered Call UCITS ETFDAX~8%0,45%IE000SAXJ1M2
SY7DGlobal X Euro Stoxx 50 Covered Call UCITS ETFEuro Stoxx 50~8%0,45%IE000SAXJ1M1

2. Generation – Balance zwischen Dividende und Wachstum (ab 2020)

Die zweite Generation lernte aus den Schwächen der ersten. Statt den gesamten Bestand zu veroptionieren, werden nur Teile des Portfolios mit Covered Calls belegt – oft über sogenannte ELNs (Equity Linked Notes) mit Out-of-the-Money (OTM) Calls. Dadurch bleibt mehr Spielraum für Kurswachstum.

Diese ETFs werden aktiv verwaltet, was höhere Kosten bedeutet – dafür aber eine bessere Balance zwischen Ausschüttung und Kursentwicklung.

In Deutschland kaufbar (Xetra, UCITS):

TickerNameBasisindexDividende p.a.TERISIN
JEIPJPMorgan US Equity Premium Income Active UCITS ETFS&P 500~7–8%0,35%IE000U5MJOZ6
JEQPJPMorgan Nasdaq Equity Premium Income Active UCITS ETFNasdaq 100~9–10%0,35%IE000U9J8HX9
JEPGJPMorgan Global Equity Premium Income Active UCITS ETFMSCI World~7%0,35%IE000MVLMVK1

JEQP ist seit seiner Einführung mit über 2,5 Mrd. € Fondsvolumen einer der am schnellsten wachsenden aktiven ETFs in Europa – weil er erstmals eine attraktive Dividende mit vertretbarem Kurswachstum auf Nasdaq-Basis kombiniert.


Was ist mit QQQI, JEPI, QYLD und Co.?

Diese ETFs sind in der Finanzcommunity sehr bekannt und werden oft empfohlen. Das Problem: Sie sind als US-ETFs strukturiert und entsprechen nicht der europäischen UCITS-Regulierung.

Als Privatanleger in Deutschland kannst du diese ETFs in der Regel nicht über deutsche Broker kaufen. Einige wenige spezialisierte Broker bieten Zugang zu US-ETFs an, aber die steuerliche Behandlung ist deutlich komplizierter und die Kosten höher.

Für die meisten deutschen Anleger gilt daher: Die oben genannten UCITS-Versionen sind die richtige Wahl.


Generationsvergleich auf einen Blick

1. Generation2. Generation
Vertreter (UCITS)QYLE, XY7D, DYLD, SY7DJEIP, JEQP, JEPG
Dividende p.a.8–12%7–10%
KurswachstumKaum vorhanden (~0%)Begrenzt möglich (2–3%)
Optionsstrategie100% ATM CallsTeilweise OTM via ELN
VerwaltungPassivAktiv
TER0,45%0,35%
Für wen?Maximale AusschüttungBalance Dividende + Wachstum
Investor kauft ETF-Anteile Covered Call ETF hält Aktien verkauft Call-Optionen zahlt Dividende aus Aktienmarkt Nasdaq, S&P 500... Optionskäufer zahlt Prämie Kapital Dividende kauft Aktien verkauft Calls Prämie Prämie aus Optionsverkauf = Quelle der hohen Dividende

Die Dividenden-Reinvestitionsstrategie

Viele Anleger machen einen entscheidenden Fehler: Sie lassen sich die Dividenden auszahlen und geben sie aus – anstatt sie wieder zu investieren.

Dabei ist genau die Reinvestition der Schlüssel. Wenn du deine monatlichen Dividenden sofort wieder in denselben ETF investierst, kaufst du mehr Anteile. Mehr Anteile bedeuten mehr Dividenden im nächsten Monat. Und so weiter.

Das ist der Zinseszins-Effekt – nur diesmal über Dividenden statt über Kurswachstum.

Der Unterschied zwischen Reinvestition und Nicht-Reinvestition ist auf lange Sicht enorm – wie die folgende Grafik zeigt:

Dividenden reinvestiert Dividenden nicht reinvestiert Nur eingezahltes Kapital

* Beispiel: QQQI, 200€/Monat, 14% Dividende p.a., 3% Kurswachstum p.a. Steuern nicht berücksichtigt.

Wie stark dieses Wachstum in deinem konkreten Fall sein kann, hängt vom gewählten ETF, der monatlichen Rate und dem Anlagehorizont ab. Probiere es selbst aus:

⚠️ Was sind Covered Call ETFs?
Diese ETFs generieren hohe Monatsausschüttungen (7–13 %) durch den Verkauf von Call-Optionen auf einen Aktienindex. Der Preis dafür: das Kurswachstum ist begrenzt oder der Kurs sinkt sogar langfristig (z. B. bei QYLD). Ein Teil der „Ausschüttung" ist tatsächlich Return of Capital – also Rückzahlung deines eigenen Kapitals.

📊 Investment-Einstellungen

🧩 Covered Call ETF-Auswahl

✅ Alle 4 ETFs sind UCITS-konform und in Deutschland über Xetra, gettex, Tradegate und Börse Frankfurt handelbar. Verfügbar bei den meisten deutschen Brokern (Trade Republic, Scalable Capital, comdirect, ING, DKB, Consorsbank, Flatex, finanzen.net zero u. a.) — teils auch als Sparplan. Die Renditen basieren auf tatsächlichen historischen Daten der US-Originalfonds bzw. der UCITS-Varianten.

Summe der Gewichtungen: 0 %

💰 Steuern

📚 Was ist ein Aktienfonds? Warum 30 % Teilfreistellung? (Hintergrund)

Rechtsgrundlage: § 20 Investmentsteuergesetz (InvStG).

Was ist ein Aktienfonds?
Ein Investmentfonds gilt steuerlich als Aktienfonds, wenn er laut seinen Anlagebedingungen fortlaufend mindestens 51 % seines Vermögens in Kapitalbeteiligungen (überwiegend börsennotierte Aktien) investiert. Erfüllt er diese Quote, erhalten Privatanleger die Aktienteilfreistellung von 30 %. Ein Mischfonds (mind. 25 % Aktien) bekommt 15 %, ein reiner Anleihen- oder Geldmarktfonds bekommt 0 %.

Warum 30 %? (Logik der Teilfreistellung)
Auf Fondsebene werden Erträge bereits vorab besteuert:

  • Inländische Dividenden: 15 % Körperschaftsteuer auf Fondsebene
  • Ausländische Dividenden: Quellensteuer im jeweiligen Land

Ohne Ausgleich würde der Privatanleger auf Anlegerebene zusätzlich noch einmal voll Kapitalertragsteuer zahlen — also doppelt besteuert. Die 30 % Teilfreistellung ist ein pauschaler Ausgleich für diese Vorbelastung. Sie ist also kein Geschenk, sondern eine Vermeidung der Doppelbesteuerung.

Teilfreistellungssätze im Überblick (§ 20 InvStG):

  • Aktienfonds (≥ 51 % Aktienquote): 30 % für Privatanleger · 60 % bei Betriebsvermögen · 80 % bei Körperschaften
  • Mischfonds (≥ 25 % Aktienquote): 15 % für Privatanleger
  • Immobilienfonds (≥ 51 % Immobilien): 60 % · 80 % bei Auslandsfokus
  • Sonstiger Fonds: 0 %

⚠️ Wichtig für Covered-Call-ETFs:
Die Qualifikation als Aktienfonds ist bei Covered-Call-ETFs nicht immer eindeutig:

  • QYLD ist synthetisch repliziert (mit Swaps) — ob die Depotbank 30 % Teilfreistellung automatisch gewährt, hängt von der Einstufung ab. Oft wird sie gewährt, aber im Einzelfall prüfen.
  • JEPI, JEPQ, JEPG halten echte Aktien (physisch) + nutzen Equity-Linked Notes (ELN) für die Call-Strategie. Sie werden überwiegend als Aktienfonds eingestuft → 30 %.
  • Entscheidend ist immer die Jahressteuerbescheinigung deiner Depotbank. Dort siehst du, welche Teilfreistellung konkret angewandt wurde.

Rechenbeispiel (Aktienfonds, Privatanleger):
Ausschüttung 1.000 € → 30 % = 300 € steuerfrei → 700 € sind steuerpflichtig → KapSt 25 % + Soli 5,5 % = 26,375 % auf 700 € = 184,63 € Steuer. Effektive Steuerquote: 18,46 % (statt 26,375 % ohne Teilfreistellung). Zusätzlich greift der Sparerpauschbetrag (1.000 € / 2.000 €).

Ausschüttende Covered-Call-ETFs werden bei jeder Dividendenzahlung direkt besteuert (KapSt 26,375 %). Der Sparerpauschbetrag wird automatisch zuerst verbraucht, erst danach fällt Steuer an. Keine Steuerberatung.

📈 Ergebnis

Eingezahlt
Depotwert (Ende)
Ausschüttungen netto
Gesamt netto

Für wen sind Covered Call ETFs geeignet?

Covered Call ETFs passen am besten zu:

  • Anlegern, die monatlichen Cashflow brauchen oder wollen
  • Menschen kurz vor oder in der Rente
  • Anlegern, die Marktvolatilität abfedern möchten
  • Investoren, die die Dividenden konsequent reinvestieren können

Weniger geeignet sind sie für junge Anleger mit sehr langem Anlagehorizont – hier schlägt ein einfacher MSCI World oder S&P 500 ETF langfristig in den meisten Szenarien.


Ein wichtiger Hinweis zu den Zahlen

Ein wichtiger Hinweis zu den Zahlen

Die genannten Dividendenrenditen klingen verlockend – aber: Bei der 1. Generation (QYLE, XY7D) wird die gesamte Upside des Index durch die ATM-Strategie abgegeben. Das bedeutet, dass der Kurs des ETFs in steigenden Märkten stagniert oder sogar leicht fällt.

Immer die Gesamtrendite (Kursveränderung + Dividende) im Blick behalten – nicht nur die Ausschüttungsrendite.

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