1-ETF-Strategie vs. 2-ETF-Strategie – Was ist besser für Einsteiger?

Sobald du dich entschließt, mit ETFs zu investieren, stolperst du garantiert über diese Frage:

„Reicht ein ETF, oder muss ich mehrere kombinieren?“

Auf YouTube sagt der eine: „Ein Welt-ETF reicht für alles.“ Der nächste schwört auf 70/30. Ein dritter empfiehlt ein 5-ETF-Portfolio mit Europa, USA, EM, Small Caps und Asien.

In diesem Artikel vergleichen wir die beiden am häufigsten genutzten Ansätze: 1-ETF-Strategie und 2-ETF-Strategie. Nicht, welche „besser“ ist – sondern welche zu welcher Situation passt.

Was ist die 1-ETF-Strategie?

Ein einziger ETF deckt dein gesamtes Aktienportfolio ab. Das war’s.

Beliebte ETFs für diesen Ansatz:

  • Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (Acc) – ISIN: IE00BK5BQT80, WKN: A2PKXG, TER: 0,19 %. Enthält Industrie- und Schwellenländer, rund 3.700 Unternehmen.
  • iShares Core MSCI World UCITS ETF (Acc) – ISIN: IE00B4L5Y983, WKN: A0RPWH, TER: 0,20 %. Nur Industrieländer, rund 1.500 Unternehmen.

Vorteile der 1-ETF-Strategie

1. Maximale Einfachheit. Sparplan einrichten, jeden Monat ausführen, fertig. Keine Überlegungen zu Gewichtungen, kein Rebalancing.

2. Automatische Diversifikation. Ein FTSE All-World ETF passt sich intern automatisch an – steigt ein Land, wächst sein Anteil im Index mit.

3. Steuerlich unkompliziert. Nur ein ETF im Depot bedeutet: nur eine Vorabpauschale, ein einfacher Jahresüberblick, einfache Freistellungsauftrag-Planung.

4. Psychologische Stabilität. Die Einfachheit hilft dir, jahrelang durchzuhalten – und genau das ist beim Vermögensaufbau entscheidend.

Nachteile der 1-ETF-Strategie

1. US-Klumpenrisiko. Selbst im FTSE All-World liegt der US-Anteil über 60 %. Wer das explizit nicht will, findet hier keinen Ausweg.

2. Keine Feinsteuerung. Du kannst weder Schwellenländer stärker gewichten noch bestimmte Sektoren ausschließen.

3. Leicht höhere TER. FTSE All-World kostet etwa 0,19 %, während ein reiner MSCI World schon bei 0,12 % zu haben ist. Auf lange Sicht minimal, aber existent.

Was ist die 2-ETF-Strategie?

Zwei ETFs werden in einer festen Gewichtung kombiniert.

Typische Kombinationen:

  • 70 % MSCI World + 30 % MSCI Emerging Markets (Klassiker)
  • 80 % MSCI World + 20 % MSCI EM (leicht defensiver)
  • 70 % MSCI World + 30 % MSCI World Small Cap (Small-Cap-Tilt)

Vorteile der 2-ETF-Strategie

1. Individuelle Gewichtung. Du entscheidest, wie stark Schwellenländer, Small Caps oder Regionen vertreten sind.

2. Potenziell niedrigere Gesamtkosten. Kombinierst du den iShares Core MSCI World (0,20 %) mit dem iShares Core MSCI EM IMI (0,18 %), liegt der gewichtete TER bei etwa 0,19 % – also vergleichbar mit dem FTSE All-World, teils leicht günstiger.

3. Das Gefühl, selbst gestaltet zu haben. Klingt weich, ist aber real: Wer sein Portfolio versteht, bleibt langfristig dabei.

Nachteile der 2-ETF-Strategie

1. Rebalancing nötig. Wenn ein ETF stärker steigt, verschiebt sich die Gewichtung. Mindestens einmal im Jahr prüfen.

2. Zwei Sparplan-Ausführungen. Bei Brokern mit kostenlosen Sparplänen kein Problem. Bei gebührenpflichtigen Ausführungen doppelt so viele Gebühren.

3. Die endlose Frage nach der „richtigen Quote“. 70/30? 80/20? 60/40? Dieses Grübeln hält manche Anleger davon ab, überhaupt loszulegen.

4. Emotionale Fallstricke. Wenn ein Teil zurückbleibt, kommt die Versuchung: „Vielleicht sollte ich den ETF doch rausnehmen.“ Das ist dann keine Strategie mehr – sondern Markttiming.

Wie viel Unterschied bei der Rendite?

Rückblickend auf 10 Jahre (2015–2025):

  • FTSE All-World (1-ETF): ca. 9–10 % p.a.
  • 70/30 (MSCI World + EM): ca. 7–8 % p.a.
  • MSCI World allein: ca. 10–11 % p.a.

Kurz gesagt: In den letzten 10 Jahren war die 1-ETF-Lösung (bzw. MSCI World pur) rentabler als 70/30.

Aber Achtung: Das ist das Ergebnis einer Dekade, in der EM underperformt haben. Zwischen 2000 und 2010 war es genau andersherum. Historische Rendite ist kein Wegweiser für die nächsten 20 Jahre.

Welche Strategie passt zu wem?

1-ETF-Strategie passt, wenn du…

  • gerade erst anfängst – Komplexität ist der größte Feind der Durchhaltekraft
  • Set-and-Forget bevorzugst
  • mit kleinen Sparraten (25–100 €/Monat) investierst
  • dir Rebalancing nicht zutraust

2-ETF-Strategie passt, wenn du…

  • dein Portfolio aktiv gestalten möchtest
  • mit 200 €/Monat oder mehr investierst (sonst sind die Raten je ETF zu klein)
  • bereit bist, einmal im Jahr zu prüfen und ggf. anzupassen
  • eine klare Überzeugung zu Schwellenländern oder Small Caps hast

Die ehrliche Empfehlung für Einsteiger

Als Einsteiger: Starte mit 1 ETF.

Der Grund ist nicht die Rendite, sondern Konsistenz. Eine 2-ETF-Strategie ist theoretisch feiner, aber komplexer – und Komplexität ist der häufigste Grund, warum Leute ihren Sparplan irgendwann aufgeben.

Mein Vorschlag:

  1. Erstes Jahr: Ein einziger FTSE All-World ETF. Du erlebst, wie sich dein Depot verhält, wie Schwankungen sich anfühlen, wie Steuern wirken.
  2. Nach 1–2 Jahren: Wenn du das Gefühl hast, dein Anlegerprofil zu kennen, kannst du überlegen, ob du auf 2 ETFs erweitern willst.

Versuch nicht, von Anfang an „das perfekte Portfolio“ zu bauen. Erfolgreich ist nicht der, der die cleverste Strategie hat – sondern der, der sie über 15, 20, 30 Jahre durchzieht.

👉 Im ETF Sparplan Rechner kannst du 1-ETF- und 2-ETF-Kombinationen direkt vergleichen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen
Rentenmich